BECHTSBÜTTEL
Bechtsbüttel

3.6 Dorfentwicklung

Bis zur Separation in der Mitte des 19.Jahrhunderts waren mit Ausnahme des Lehrers alle Dorfbewohner in der Landwirtschaft tätig. Ab 1865 gab es die Möglichkeit Land zu erwerben, um ein eigenes Haus zu bauen. So entstand 1880 das Haus Nr. 8 auf dem Gelände der neu gebildeten Realgerneinde. Haus Nr. 9, ein ehemaliges Häuslingshaus vom Hof Nr. 2, wurde 1883 verkauft, weil der Hoferbe bei einem Reitunfall tödlich verunglückt war. Nr. 11 wurde 1895 erbaut. Bis 1898 wuchs das Dorf auf 15 Häuser an, darunter die neue Schule. Nr. 20, der erste "Laden für Kolonial- und Materialwaren" entstand 1908.

Bereits 1874 hatte Heinrich Friedrich Harke im Haus Nr. 6 eine Gastwirtschaft eröffnet, die seit 1886 von einem Oberkellner Herbst aus Braunschweig betrieben wurde, Nachdem Heinrich Meinecke 1889 den Hof Nr. 6 gekauft hatte, führte er ab 1890 auch die Gastwirtschaft weiter.

1913 beantragte und erhielt Karl Floto Nr. 20 die "Schankerlaubnis". Bei der Antragstellung überprüfte man,

"ob gegen den Antragsteller Tatsachen vorliegen, welche die Annahme rechtfertigen, daß das Gewerbe zur Förderung der Völlerei des verbotenen Spiels, der Hehlerei oder der Unsittlichkeit mißbraucht werde. "

In einem vorliegenden Bericht von 1906 des Kreisarztes Dr. Meyer zur Überprüfung des Dorfes und seiner Zustände ist zu lesen:

"Bechtsbüttel besitzt einige neue Häuser, auch alte niedersächsische Bauernhäuser, in denen die Wohnräume niedrig sind.

Eine Gastwirtschaft ist vorhanden, die zu Bedenken keinen Anlaß gibt. "

Auch eine Volksschule und ein Begräbnisplatz außerhalb des Ortes finden Erwähnung. Beanstandungen gibt es beim Armenhaus (Hirtenhaus).

" Im Armenhause sind die Fußböden der Wohnzimmer und Kammern schadhaft. Das Schlafkammerfenster der einen Wohnung ist sehr schadhaft."

Das Fazit der Untersuchung aber heißt:

"die Gesundheitsverhältnisse sind im ganzen günstige"

1917 wurde das Transformatorenhaus gebaut, Bechtsbüttel bekam elektrischen Strom von der Landeselektrizität Weferlingen.

Zwischen den Weltkriegen gab es auch eine Käserei im Haus Nr. 22 und die Schlachterei Heinrich Helms im Haus Nr. 11.

1925 eröffnete Gustav Sandelmann die erste Bäckerei im Ort. Nach ihm führten Ewald Wolter und Ewald Wagstiel das Geschäft weiter. 1982 wurde die Bäckerei geschlossen und von einem türkischen Bäcker übernommen, der Läden in Braunschweig und Wolfsburg belieferte. Die Bäckerei zog später in größere Räume nach Braunschweig um und wurde dort 2 Jahre später geschlossen.

Durch den Bedarf und den Zuzug von Arbeitern während des Kanalbaus in den dreißiger Jahren veränderte sich die dörfliche Struktur. Die Einwohnerzahl nahm stetig zu und stieg auf 250 im Jahr 1939.

Mit Beginn des 2. Weltkriegs 1939 wurden 34 Männer des Dorfes eingezogen, bis 1941 waren es 38 Männer. Für die fehlenden Arbeitskräfte, besonders in der Landwirtschaft, kamen Kriegsgefangene und Fremdarbeiter ins Dorf. 1941 waren es 12 Franzosen und 4 Polen, 1943 kamen 14 Polen, 10 Ukrainer und 9 Franzosen, die vielfach auf den Höfen lebten und arbeiteten.

Durch die zunehmende Mechanisierung in der Landwirtschaft wurden mehr und mehr Arbeitskräfte freigesetzt. 1996 gibt es in Bechtsbüttel noch drei Vollerwerbshöfe, von denen nur noch bei zweien Vieh gehalten wird. Bis auf gelegentliche Hilfen werden die Arbeiten von den Eigentümern allein erledigt. Der Charakter eines landwirtschaftlich geprägten Dorfes ist völlig verloren gegangen.

Ab März 1945 kamen 156 Flüchtlinge und Heimatvertriebene aus Wolhynien, Schlesien, Posen, Pommern und vom Schwarzen Meer. Dazu galt es noch viele Evakuierte unterzubringen, so daß die Einwohnerzahl von 250 im Jahre 1939 auf 488 im Jahre 1949 stieg. Das bedeutete zu teilen und auf engem Raum miteinander zu leben, denn jedes Haus war von mehreren Familien bewohnt. So begann 1951 eine rege Bautätigkeit, aber noch immer herrschten Enge und Wohnungsnot.

1951 eröffnete Ilse Littwin ein weiteres Lebensmittelgeschäft, das Karin Müller von 1967 an weiterführte. 1983 wurde dies Geschäft geschlossen und heute gibt es dort einen Kiosk. Schon 1982 schlossen Laden und Gastwirtschaft von Sieglinde Meyer.

Die Entwicklung der Einwohnerzahlen des Dorfes
1912  1939  1950  1980  1995  2000  2005  2010
193     250    462    416    513    553    542    580

Auf diesem Ortsplan von 1989 läßt sich die Abfolge der einzelnen Neubausiedlungen darstellen, dazwischen gab es immer wieder Lückenbebauungen und den Bau von einzelnen Wohnhäusern, deren zeitliche Entstehung hier nicht gezeigt wird.
 
 
 
 
Bechtsbüttel 1938   Bechtsbüttel 1993-95

 
 
 
 
 

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